Was macht einen Griff wirklich „griffig“? Mechanische vs. chemische Griffigkeit
Bevor ich All Mountain Style® mitbegründete, war ich jahrelang als Maschinenbauingenieur tätig, wo ich dynamische Simulationen, Strukturanalyse (FEA) und die Entwicklung von Motorrädern von Grund auf betreute. Ich war schon immer fasziniert von der Verbindung zwischen Fahrer und Maschine: sei es im MotoGP, Rallye, Enduro oder auf Schotterwegen. Diese Faszination setzt sich heute bei AMS fort, wo wir ingenieurwissenschaftliches Denken auf etwas anwenden, das Fahrer oft als selbstverständlich betrachten: Grip.
Dieser Beitrag ist meine Analyse der Wissenschaft dahinter, was einen Grip wirklich funktionsfähig macht.
Mechanischer vs. chemischer Grip bei MTB-Griffen und Lenkerbändern verstehen
Wenn Fahrer über Griffe sprechen, sei es an einem Mountainbike oder einem Rennrad, sagen sie gewöhnlich Dinge wie „dieser fühlt sich griffig an“, oder „jener ist super rutschfest“, oder „dieses Band haftet auch, wenn es nass ist.“
Aber was bedeutet „griffig“ eigentlich?

Bei AMS entwickeln wir jeden Griff und jedes Lenkerband mit demselben Detailgrad und Leistungsfokus wie Reifenhersteller ihre Gummimischungen. Das liegt daran, dass Grip nicht nur ein Gefühl ist: Es ist Physik und Chemie. Und es gibt zwei unterschiedliche Arten von Grip:
Mechanischer Grip vs. Chemischer Grip
Beginnen wir mit den Definitionen:
- Mechanischer Grip ist die physische Verzahnung zwischen der Grifffläche oder dem Band und Ihrer Hand, Ihrem Handschuh oder dem Lenker. Stellen Sie es sich wie Klettverschluss vor: Formen, die ineinandergreifen, Mikrotexturen, die dem Verrutschen entgegenwirken.
- Chemischer Grip ist die molekulare Adhäsion zwischen Materialien. Wie „klebrig“ sich die Mischung anfühlt. Es ist das, was passiert, wenn eine Gummioberfläche sich kurzzeitig mit Ihrer Haut oder Ihren Handschuhen verbindet.
Im Folgenden sehen Sie verschiedene Arten von „Adhäsion“ in mikroskopischer Ansicht:

Diese beiden Kräfte wirken oft zusammen, hängen aber von Material, Design, Fahrernutzung und Umgebung ab.
Mechanischer Grip: Textur, Muster und Druck
Mechanischer Grip entsteht durch die Art und Weise, wie die Oberfläche des Griffs oder Lenkerbands physisch mit Ihrer Hand interagiert. Er wird beeinflusst durch:
- Profil- oder Musterdesign: Mikrorippen, Diamanten, Flansche oder Rillen, die die Reibung erhöhen
- Verformung: wie stark das Gummi unter Last komprimiert wird und sich Ihrer Hand anpasst
- Oberflächenrauheit: mikroskopische Details, die die Kontaktpunkte erhöhen
Das ist genau das, was Reifen tun, wenn sie sich in Erde oder Felsen graben. Bei Griffen entwerfen wir jedoch Muster nicht nur für das Gelände, sondern auch dafür, wie Ihre Hand den Lenker greift, drückt und zieht.
Beispiel von AMS:
Unser AMS RISE Griff besitzt gerippte Pads und eine Mikro-Diamant-Textur in strategischen Zonen. Dies sind keine ästhetischen Entscheidungen. Es sind mechanische Merkmale, die für Grip sorgen, wenn Ihr Daumen nach vorne drückt und wenn Ihre Handfläche bei Abfahrten anhebt.

Chemischer Grip: Klebrigkeit und Adhäsion
Chemischer Grip dreht sich um Oberflächeninteraktion auf molekularer Ebene. Er ist das, was einen Griff „klebrig“ oder „griffig“ erscheinen lässt: selbst ohne sichtbare Textur.
Chemischer Grip hängt ab von:
- Härte der Gummimischung (Shore A Skala): weicher = mehr Adhäsionskontakt
- Oberflächenchemie: wie Gummi mit Haut, Schweiß und Handschuhen interagiert
- Finish: matte, texturierte Oberflächen verbessern den Grip bei feuchten oder nassen Bedingungen
Die Gummihärte wird mit einem Durometer gemessen, wie unten abgebildet:

Beispiel von AMS:
Unser Extralight Griff verwendet eine superleichte, weiche Gummimischung, die speziell auf chemischen Grip mit bloßen Händen abgestimmt ist. Sie bietet ein flaches Gefühl, das direkt mit Ihrer Haut verbunden ist, selbst ohne Handschuhe: So haben Sie intuitive Kontrolle auf langen XC- und Trailfahrten.
Wenn Schweiß, Regen und Handschuhe ins Spiel kommen
Die Griffigkeit ändert sich drastisch, wenn Feuchtigkeit im Spiel ist:
- Schweiß kann den mechanischen Grip reduzieren, indem er Texturlücken füllt: genau wie Schlamm Reifenprofile verstopft.
- Er kann aber den chemischen Grip verbessern, besonders bei klebrigen Mischungen.
- Handschuhe verändern alles: sie können das taktile Feedback reduzieren, daher müssen die Grifffläche und das Gefühl dies ausgleichen.
Deshalb entwickeln wir Griffe je nach Handschuhnutzung unterschiedlich:
- EXTRALIGHT = abgestimmt für bloße Hände
- CERO = optimiert für Kontrolle mit Handschuhen unter Druck
- BERM = der ausgewogene Allrounder
Lenkerband: Dieselbe Wissenschaft, neue Form
Bei Lenkerbändern gelten die gleichen Grip-Prinzipien, aber die Interaktion ist anders, da sich das Lenkerband nicht vollständig um den Lenker formt wie ein MTB-Griff. Stattdessen hängt der Grip stärker davon ab, wie fest es gewickelt ist, wie sich das Band unter Druck verformt und wie seine Oberfläche mit der Hand interagiert.
- Mechanischer Grip entsteht durch das Oberflächenmuster und wie fest das Band gewickelt ist.
- Chemischer Grip entsteht durch die Mischung und das Finish. Besonders bei schweißtreibenden oder nassen Bedingungen.
AMS-Beispiele:
- Sterrato Lenkerband verwendet einen Soft-Touch-Schaum mit integriertem Gel für ausgezeichnete Anpassungsfähigkeit, der durch die Anpassung an Ihre Hand unter Druck einen hohen mechanischen Grip bietet. Das eingebettete Konturlinienmuster erhöht die Reibung zusätzlich, besonders beim Fahren ohne Handschuhe oder bei Nässe.
- Honeycomb Lenkerband verfügt über eine hochdichte Mischung und ein texturiertes Hex-Muster, das sowohl den mechanischen Grip (durch die Oberflächenstruktur) als auch den chemischen Grip (durch die dichtere Mischung) optimiert. Es greift auch die visuelle Identität unserer charakteristischen Rahmenschützer auf und verbindet so Leistung und Ästhetik.

Die Balance: Komfort vs. Kontrolle
Manche Fahrer bevorzugen einen weichen, klebrigen Griff (hoher chemischer Grip). Andere möchten einen festen, strukturierten Griff, auf dem sie sich bewegen können (hoher mechanischer Grip).
Zu klebrig? Dann können Sie keine Feineinstellungen vornehmen.
Zu wenig Muster? Sie könnten auf einer schweißtreibenden Abfahrt abrutschen.
Die besten Grip-Produkte balancieren beide Kräfte aus: zugeschnitten auf Gelände, Fahrstil und Fahrgefühl. Das nennen wir Ride-Specific Design und AMS Ride Feel.
AMS Grip Intelligence: Wissenschaftlich fundiertes Gefühl
Bei AMS haben wir ein Produktentwicklungsmodell namens Grip Intelligence entwickelt, das auf Materialwissenschaft, Maschinenbau und Fahrerdaten basiert.
Wir testen Durometer, Muster, Form und die Interaktion der Mischung bei all unseren Griffen und Bändern, immer auf der Suche nach der Verfeinerung des Gleichgewichts zwischen mechanischer Verzahnung und molekularer Haftung.
Denn großartige Fahrten beginnen mit großartiger Kontrolle. Und das beginnt mit dem Verständnis der Wissenschaft Ihres Griffs.






